Das Lehrerbild

1. Das Lehrerbild der deutschen Bevölkerung

Allensbach-Umfrage zur Schulpolitik und zum Lehrerbild in Deutschland 2010:

„Bei der Frage nach den Eigenschaften, die einen guten Lehrer ausmachen, priorisieren die Befragten vor allem die rein pädagogisch-didaktischen Fähigkeiten: gutes Fachwis­sen, Motivationskraft sowie ein guter, verständlicher Unterricht.“

Bei der Befragung der Eltern von Schulkindern antworteten sie, das wichtigste sei, die Kinder begeistern, motivieren zu können.

Seit Pisa ist Bewegung in die Kultusministerien gekommen. Doch nach wie vor kochen 16 Kultusministerien ihren eigenen Bildungsbrei. Eine Erkenntnis jedoch ist gewachsen: Gute Bildung geht nicht ohne guten Unterricht. Und guter Unter­richt geht nicht ohne gute Lehrkräfte! Dass die skandinavischen Länder bei Pisa besser abschneiden, hat bestimmt nichts mit höherer Intelligenz der skandinavi­schen Kinder zu tun, sondern meiner Ansicht nach viel mit dem Ansehen, dass eine Lehrkraft in einem skandinavischen Land genießt!

Hier in Deutschland ist das anders, hier werden Lehrer als faule Säcke be­schimpft, die die Hälfte des Jahres Ferien haben und am Nachmittag frei. Die Süddeutsche Zeitung hat den Lehrern die Reihe "faule Säcke im Schlabberpulli gewidmet": Die Lehrer in Deutschland sind ungepflegt, leiden unter Burnout, Nicht-Gymnasiallehrer wur­den nur Lehrer an anderen Schulen, weil ihre Noten zu schlecht waren, Lehrer sind zu alt, etc. 

Und die Lehrer selbst sind auch nicht alle glücklich: So kann man im Spiegel-On­line vom 04.05.2001 über Refrendare nachlesen: „Habe nun, ach... Lehramt studiert“ von Armin Himmelrath:

 

„Verbittert, verunsichert, bar jeder Kreativität: Bald nach Arbeitsbeginn naht pädgogische Katerstimmung“

 

Leider ist es wirklich so, dass Teile dieses Lehrerbilds stimmen. Auch meine Er­fahrungen sind zwiespältig:

2. Lehrkräfte und Stimmungslagen

Während meines Philologiestudiums unterrichtete ich an der VHS einmal pro Wo­che Spanisch. Bei der Fahrt dorthin wechselte ich mich beim Fahren mit einer Freundin ab, die zum gleichen Zeitpunkt an der gleichen VHS Italienisch unter­richtete. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 20 Minuten, die wir eigentlich immer ziemlich beschwingt Musik hörend (singend) oder redend verbrachten. Ich kam am Unterrichtsort gut gelaunt an, war (meist) gut vorbereitet. Der Spanischun­terricht an der VHS machte Spaß. Die Schüler machten gute Fortschritte.

Während meiner Lehrtätigkeit in Madrid (Schuljahr 1989/1990) hatten wir auf unserem Stockwerk ein winziges Lehrerzimmerlein, ohne Fenster, von ca. zehn Quadratmeter Größe. In diesem Zimmerlein trafen wir fünf Lehrer des Stock­werks uns in jeder Pause. Geredet wurde dort wenig. Gemurrt dafür um so mehr. Wir hatten einen Minikalender, in dem die Tage bis zu den nächsten Ferien durchgestrichen wurden. Die Stimmung war, abgesehen von den letzten Tagen vor den Ferien, nicht besonders gut. Irgendwann verbrachte ich die Pausen zu­nehmend in meinem Unterrichtsraum. Das wirkte sich positiv auf meine Laune und meinen Unterricht aus.

Wenn ich letztes Jahr im Lehrerzimmer in einer meiner Praxisschulen war, 20 Jahre später, anderes Land, ganz andere Schule, allerdings mit Fenstern, stim­mungstechnisch keine wirklich großen Unterschiede: Wieder war die Stim­mung eher gedrückt, außer wenn mit Sekt mal wieder ein Geburtstag gefeiert wurde. Die Schule hat nicht viel Geld. Die Gänge sind eher grau als bunt, schmuddelig – Werke von Schülern, entsprechend platziert, könnten hier Wunder wirken, ein wenig Farbe auch! Das kostet nicht viel Geld, aber es braucht Moti­vation, es braucht einen Motor!

Natürlich wusste ich schon damals, dass ich als Lehrkraft in meinen Schülern ei­nen Spiegel vorgehalten bekam. Jeder Mensch findet irgendwann einmal heraus, dass das Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück" bild­haft sehr treffend die Realität beschreibt. Doch gerade beim Unterrichten von Kindern ist es so wichtig, eine möglichst positive Atmosphäre zu schaffen, eine positive emotio­nale Beziehung zw. Lehrkraft und Schülern. Die Lernumgebung ist extrem wich­tig. Der positive, respektvolle Umgang, und Spaß ist wichtig im Un­terricht.

Idealistin, die ich (noch) bin, trage ich noch ganz viel Motivation in mir. Aber: Wird auch bei mir bald die ganz große pädagogische Katerstimmung herrschen? Nein. Hoffe ich. Doch nun die große Frage: Wie bewahre ich mir meine Selbst­motivation? Welche Hilfen, Mechanismen, Eigenschaften brauche ich als Lehr­kraft, um nicht an meiner Aufgabe zu scheitern? (weiter...)